Gott verschickt gern Post

Ich auch. Das muss ich wohl von ihm haben.

Vor gut einer Woche wollte ich einer Freundin zum Wieder-Anfang ihres Arbeitsalltags unbedingt noch Post schreiben, die sie am Montag erreichen sollte; denn am Dienstag ging`s für sie `los`. Ich dachte, sie solle die Zeilen am Tag bevor Alles wieder rund geht bekommen, dann sei sie vielleicht aufnahmefähiger und ein bissl Ermutigung und Freude `Ach wie schön, da denkt jemand an mich!` tun doch auch gut. Überhaupt und für Beziehungen sowieso.

Die auserwählte Postkarte musste ich nicht lange suchen, denn die wollte ich meiner Freundin ursprünglich schon im April zu ihrem Geburtstag schicken, weil ich das Bild so passend und pfiffig fand. Damals war das Kärtchen unauffindbar. Oh je! Nicht schön. Inzwischen war sie mir `einfach so` wieder in die Hände gefallen oder begegnet, ganz wie man will, und da lag sie seit vielen Wochen und wartete auf ihre Reise. Bis mir eben die Idee kam, die Karte nach ihrem längerem Sommerurlaub zu senden.

So war der Plan. Wieder mal.

Also Samstag die Karte einwerfen, damit sie am Montag wie ausgedacht ankam. Das bedeutet: Karte am Samstag oder noch besser vor Samstag schreiben und frankieren … und dann nur noch einwerfen. Das war aber nicht das Einzige, was an jenem Samstag erledigt werden wollte.

Unter anderem war ich zu einem Corona-Test angemeldet, weil ich am Sonntag ein Seniorenheim betreten und jemanden besuchen wollte. Uah ! Da ist der Samstag DA und keine Karte geschrieben und der Testtermin schreit einfach `Du bist dran.` Nichts einfacher als das, dachte ich. Schreibzeug samt Karte mit Umschlag und Briefmarke und Adresse eingesteckt und zum Test in die Stadt losgefahren.

In der Apotheke habe ich den Test wahrgenommen. Und weil ich das Ergebnis bitte auf Papier haben wollte, konnte ich in gut 20 min. den Nachweis abholen kommen. Die Zwischenzeit nutzte ich, um meiner Freundin die guten Wünsche und erbaulichen Gedanken auf die Karte zu schreiben und hatte wirklich Spaß dabei, denn das Bild war nach wie vor so passend für ihre Situation. Zumindest in meinen Augen. Ob sie es wohl auch irgendwie so sehen könnte ? Meine Post komplett reisefertig gemacht, habe ich mir zuerst den Frei-von-Corona-Zettel abgeholt und dann überlegt, wo ich denn meinen Brief einwerfen könnte. Dass es zeitlich heikel werden könnte, war mir von Anfang an klar, denn der Testtermin war mittags um 13 Uhr…… aber in der Stadt bei der Hauptpost müsste es doch (vielleicht) / (hoffentlich) noch einen Postkasten geben, der am Sonntag geleert würde? Das gab es `früher`, vor einigen Jahren noch …. Als Viel-Postschreiber weiß man so was. Und man weiß auch, wo diese Postkästen stehen, die am Sonntag noch geleert werden.

Die ganze Situation hat mich dann up-to-date gebracht: Nachdem ich zur Hauptpostfiliale gelaufen war und dort am Samstag um 13 Uhr die letzte Leerung am Wochenende schon gelaufen war, war meine Haupt-Hoffnung dahin. Denn bei mir im Dorf wusste ich ja, dass die Leerung am Sonntag-Vormittag schon lange nicht mehr existierte.

Ein bissl geknickt über mich war ich schon, weil ich Alles nicht rechtzeitig auf die Reihe gebracht hatte, wie ich mir das so schön ausgedacht hatte. Der liebevolle Gedanke in mir und in dieser Idee verlor etwas an Schwung und Elastizität – wenn ich das so sagen darf. Aber witzig war, dass tief in mir, der Wunsch bestehen blieb `Och, ich wollte doch SO gerne HEUTE diese Post abschicken.` Und das war keinesfalls was von: nicht loslassen wollen, dass etwas nicht funktioniert hat oder anders läuft als erwartet. Nein, das war es nicht.

Es war vielmehr dieses kindliche Herz meinem Himmlischen Vater gegenüber, aus dem herausquoll: `Ach schade, ich habe mir echt Mühe gegeben, ich hab es leider nicht ganz hinbekommen, aber ich hätte so gerne die Karte eingeworfen, damit meine Freundin schon am Montag die Überraschung und hoffentlich die Freude ereilen kann. Ach schade.`

In dieser Haltung bin ich die 15 Minuten aus der Stadt nach Hause gefahren. Und im Laufe der Minuten wandelte sich das Ach-Schade in ein: einverstandenes `Ok-ist-jetzt-so—Ich-kanns-leider-nicht-mehr-ändern-schnief`. Letzter Seufzer getan. Und schon die Entscheidung getroffen: Ich werfe die Karte jetzt auf dem Nachhauseweg gleich ein. Dann wird am Montag geleert und kommt eben am Dienstag an. Auch noch toll ! Der Freude, einer Freundin eine schöne Überraschung gemacht zu haben, tut das ja keinen Abbruch.

Also bin ich fröhlich zum Postkasten im Dorf gefahren, der samstags eben auch um 13 Uhr zum letzten Mal geleert wird. Mein Weg führt sowieso dort entlang. Vor dem Briefkasten ist ein kleiner Platz, wo man gut mit dem Auto anhalten kann, schnell raushüpft, einwirft, wieder einsteigt und weiter fährt. Ich parke also und meine Augen entdecken etwas, was mich nicht raushüpfen lässt ! Ich starre nach vorne.

So etwa 60 – 70 m weiter vorne steht ein gelbes Lieferauto……

Ich brauche etwas, um zu kapieren, was ich da eigentlich sehe. Es ist ein Postauto ! Komisch, samstags so gegen 13.50 Uhr ? Ich dachte, mittags ist die Post ausgetragen und die lieben Postboten wollen ins Wochenende. Ich warte kurz. Tatsächlich trägt noch eine Postbotin Briefe aus. Sie setzt sich wieder ins Postauto und fährt eine kleine Strecke weiter, um dann wieder mit einer Ladung Sachen in der Hand auszusteigen und mir ihrer Arbeit fertig zu werden.

Sie fährt in MEINE RICHTUNG !

Langsam dämmert mir meine Chance: Ich steige mit meinem Briefumschlag aus und gehe auf sie zu. Vielleicht würde sie meine Post noch mitnehmen und es käme heute am Samstag noch auf den Weg ???

Freundlich frage ich die Postbotin, ob das wohl möglich wäre ? Sie strahlt mich an und schenkt mir die schönste Antwort, die ich mir vorstellen konnte: `Ja, das kommt heute noch mit fort!` Voller Begeisterung rutscht mir da heraus: `Sie wissen gar nicht, was Sie da gerade für meine Freundin und mich tun !` Ich habe urplötzlich so viel Glück in mir, dass ich sie am liebsten gedrückt hatte.

Gedrückt habe ich sie nicht, aber sie konnte sehen und hören, dass sie da gerade TOLLE Arbeit macht, in meinen Augen ! Das hat sie auch ganz fröhlich gemacht.

So haben wir beide uns gefreut und gestrahlt. Und ich bin mir sicher, da hat noch einer gestrahlt ! Unser Gott hat auch gestrahlt. Er hatte es so wunderbar `arrangiert`, dass die Postbotin so viel Arbeit hatte an diesem Samstag, dass sie mittags einfach noch nicht fertig war. Und er hat dafür gesorgt, dass wir uns zeitlich und örtlich absolut so was von passend über den Weg laufen, damit der Brief noch am Samstag auf den Weg kommt.

Was mir das von Gott vermittelt ? Gott sieht meine Ideen, Pläne und Gedanken. Er sieht meine Herzenseinstellung, meiner Freudin etwas Schönes zukommen zu lassen (da steht ER ja immer dahinter bei so was !). Und er bekommt mit, wenn ich etwas nicht ganz auf die Reihe kriege und unterstützt mich darin, dass es doch noch klappt ! Ich glaube, dass Gott Freundschaften und Beziehungen als SO wichtig ansieht, dass Er uns nur zu gerne darin unterstützt, dass die Beziehungen wachsen und gelingen. Er liebt solche `Projekte` und kommt gern selbst drin vor. Sein liebendes Herz darf sichtbar werden.

Meine Freundin übrigens hat sich am Montag Abend ganz begeistert bedankt. Die Freude und Überraschung über das Bild und die passenden Worte waren riesig. Ich habe ihren Dank in einer mail gelesen, aber ich bin sicher, sie hat sehr gestrahlt !

Gebets-Idee für Dich: Vater-Gott, ich habe mitbekommen, dass Du gern in den Alltagssachen zum Vorschein kommst. Bitte lass Dich auch in meinem Alltag erkennen. Ich möchte meinen Alltag mit Dir leben.

Gebets-Idee für Dich: Vater-Gott, ich lade Dich ein, bitte unterstütze mich auch in den Dingen, die ich (noch) nicht so gut hinbekomme. Bitte hilf mir in Situationen, wo noch etwas fehlt und fülle Du es aus mit Deinem Handeln, mit Deiner Liebe.

Gebets-Idee für Dich: Vater-Gott, ich lade Dich ein, in meine Freundschaft / Beziehung / Ehe mit …..(Name der Freundin/ des Freundes) bitte zeige uns, wie wir unsere Freundschaft gut leben können. Bitte zeige Du Dich in unserer Freundschaft/ Beziehung/ Ehe. Gott bitte schenke uns Ideen und auch Deine Gedanken, wie wir Verbundenheit gut aufbauen und pflegen können.

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